Da diese glorreiche Homepage heute offiziell das Licht der Welt erblickt hat, fällt dieser erste Beitrag notgedrungen etwas länger aus. Schliesslich gilt es, das bisherige Chaos sauber zu dokumentieren. Vermutlich vergesse ich die Hälfte, aber das trage ich ohnehin dann nach, wenn wir an der entsprechenden Baustelle kapitulieren – pardon, weiterarbeiten. In Zukunft halte ich mich kürzer. Versprochen.
Am Anfang war Tutti
Alles begann damit, dass Manuela auf Tutti einen… nennen wir es mal «preiswerten»… Bauwagen entdeckte. Um 11:28 Uhr gesichtet, um 20:19 Uhr in Gossau inspiziert, für tauglich befunden und per Handschlag samt Twint-Überweisung erworben. Ein klassischer Spontankauf.




Der Verkäufer bot gnädigerweise an, seinen Schwiegersohn für die Lieferung einzuspannen. Eine massive Erleichterung für uns, denn das feine Gefährt besass keinen Kugelkopf, und unser Alhambra ist bekanntermassen nicht mit einer Maulkupplung gesegnet.
Bestandesaufnahme
Nach einigen Tagen ungeduldigen Wartens war es dann so weit: Die Anlieferung. Ich war gottenfroh, dass ich die geschätzten zwei Tonnen nicht selbst rückwärts und bergauf über den Kiesweg an den finalen Stellplatz dirigieren musste.

Die erste Inspektion brachte dann die schonungslose Wahrheit ans Licht: Das Objekt macht seinem Namen alle Ehre. Es ist ein Bau-Wagen. Da gibt es massiv was zu bauen.
Aber first things first. Das Monstrum musste erst einmal ins Wasser gestellt werden. Praktischerweise verfügt es über vier Stützen. Unpraktischerweise werden diese lediglich von M14-Schrauben fixiert – wovon eine natürlich direkt beim ersten Anblick ihr Gewinde aufgab. Zum Glück lag noch eine Gewindestange griffbereit. Nach sportlichen 45 Minuten stand das Wägelchen in allen Achsen im Wasser und konnte über den abenteuerlichen Tritt betreten werden.
Das Inventar? Ein Waschbecken, darunter eine 20-Liter-Aluminiummilchkanne. Ein geschätzt 50 Kilo schweres Stahlgestell, absolut bombenbunkertauglich. Ein fast brandneuer V-ZUG Kühlschrank, der den Wert des gesamten Innenausbaus vermutlich um ein Vielfaches übersteigt. Dazu eine Kabelbobine als Tisch und eine Bank. Prunkvoll.
Neuer Tag, neues Glück
Tags darauf trafen Noelle und Sandro zur royalen Besichtigung ein. Sandro und ich machten uns direkt daran, die rudimentäre Inneneinrichtung zu entfernen, um die nackten Tatsachen freizulegen. Die Fumoir-Türe liess sich nicht ganz öffnen, weil sie schlicht am Boden schleifte. Mit sanfter Gewalt liess sie sich zumindest so weit überreden, dass wir den Kühlschrank ins Freie wuchten konnten.
Die nüchternen Feststellungen:
- Die Wände glänzten mit 10mm Sperrholzplatten, darunter verbarg sich etwas in der Art von Pavatex.
- Der Boden bestand aus zwei soliden Schichten Pavatex.
- Das Originalfenster am vorderen Ende war in erstaunlich gutem Zustand.
- Die Tür war schlichtweg zu tief montiert.
- Das Fenster an der Längsseite wurde offenbar von einem enthusiastischen Bastler mit verbundenen Augen aus dem Blech geschnitten.
- Der Kühlschrank funktioniert. Das Notfallbier ist somit gesichert. Prioritäten.
Die nächste logische Konsequenz: Eine kleine Pilgerreise nach Österreich, um bei Hornbach die Grundversorgung sicherzustellen. Auf der Einkaufsliste standen OSB-3-Verlegeplatten (22 mm) für den bedenklichen Boden, Profilholz für Wände und Decke (soll alles schön in Weiss lasiert werden – Anweisung vom Chef), Latten (braucht man immer), Montagekleber, Weissleim, Lasur, Schleifpapier, Pinsel und was man eben sonst noch so braucht.
Der Zusammen- äh, sorry, Abbruch
Zurück auf der Baustelle sollte das Sperrholz von den Wänden weichen. Es war ohnehin schief aufgenagelt und fragwürdig gestrichen. Bei der Demontage zeigte sich charmant, dass die darunterliegende Pavatex-Verkleidung im unteren Bereich bereits angemodert war. Also fiel diese direkt mit dem Abbruchhammer zum Opfer. Was soll’s, das Profilholz lässt sich auch wunderbar auf die Lattung darunter schrauben.
À propos Lattung – hier wartete schon die nächste Überraschung: Die unteren Balken der Ständerkonstruktion (die übrigens einfach nur lose aufgestellt war) zeigten ebenfalls moderate Zersetzungserscheinungen. Wenn man schon mal dabei ist, flogen die Glastür und das misshandelte Seitenfenster direkt mit raus. Es drängte sich ohnehin der Verdacht auf, dass die Vorbesitzer bei ihren rustikalen Umbauten die Statik primär durch Liebe, Bauschaum und puren Optimismus gesichert hatten. Nun machten auch die Spansets Sinn, die ihr auf dem ersten Bild erahnen könnt: das ist nicht Ladungssicherung, sondern integraler Bestandteil der Statik.
Wir hatten streckenweise ernsthafte Bedenken, die etwas in die Jahre gekommenen Isolationsmatten herauszureissen. Gefühlt fehlte nicht viel, und der WWF hätte uns wegen der Freilegung unzähliger Insektennester die Bude eingerannt.
Nachdem die Wände Geschichte waren, kam der Boden an die Reihe. Unter zwei Lagen Pavatex stiessen wir auf ein architektonisches Stückwerk aus Schaltafeln, verrotteten Spanplatten und lieblosem Restholz. Das Fazit blieb gleich: Alles muss raus. Darunter kam eine Schicht Steinwolle zum Vorschein, die unsere WWF-Paranoia sogleich wieder entfachte. Eindeutige Wühlspuren, Eichel- und Nussreservoire sowie Kotreste deuteten auf eine rege Wohnkultur hin. Zum Glück waren die Vormieter bereits ausgezogen.
Fazit
Damit dieser Erstlingstitel nun aber nicht zu episch wird, ziehe ich hier für heute einen Schlussstrich. Morgen gibt es dann noch ein paar Worte zur Historie.
Die Zusammenfassung bis zu dem Zeitpunkt:
- Der Bauwagen thront nun vor dem Haus. (Kleiner Tipp: Fensterläden schliessen schützt davor, schon beim Frühstück an die wartende Arbeit erinnert zu werden).
- Die Hülle ist komplett entkernt und bereit für eine umfassende Aufhübschung.
- Wir haben gut 350 Kilo undefinierbares Innenleben fachgerecht beim Lohacker recycelt.
- Das erste Baumaterial liegt bereit.
Hey, das ist ja cool!